Da Kinderhandel, Ausbeutung und Misshandlungen die Kinderrechte schwer verletzen, führt Terre des hommes (Tdh) in Togo ein Projekt zur Wiedereingliederung von Hunderten von Kindern durch.
Die Lösungsansätze von Terre des hommes
Bekämpfung von Ausbeutung und Kinderhandel – Seit 2001 entwickelt Tdh ein Projekt namens Vixoasi («wertvolles Kind» in der lokalen Sprache Ewe) zur Prävention, Rehabilitation und Wiedereingliederung von Opfern des Kinderhandels. In Lomé hat Tdh das Aufnahme- und Wiedereingliederungszentrum Oasis gegründet. Hier erhalten jedes Jahr mehrere Hundert Kinder Unterkunft, Pflege, Verdienstmöglichkeiten, Erziehung und werden auf ihre gesellschaftliche, schulische und berufliche Wiedereingliederung vorbereitet. Die Aufdeckung von Problemsituationen, offene Jugendarbeit im Bereich der Rehabilitation und die Verstärkung der traditionellen Schutzmechanismen in den Gemeinschaften sind weitere Teile des Projekts.
Medizinische Spezialbehandlungen – Tdh übernimmt die Behandlung von Kindern, die an einer schweren, vor Ort nicht heilbaren Krankheit leiden. Diese Kinder werden in Togo dank ausländischem Know-how behandelt oder in ein Nachbarland bzw. nach Europa überwiesen. Tdh bemüht sich ausserdem, die lokalen Kompetenzen des medizinischen Personals zu stärken (Fortbildungen, chirurgische Missionen).
Ergebnisse 2008
Bekämpfung des Kinderhandels – 712 Kinder wurden im Oasis-Zentrum aufgenommen, mehr als 1000 erhielten eine individuelle Betreuung, wurden wieder eingeschult oder über Berufslehren informiert. Tdh hat sich stark für die Lancierung der kostenlosen Telefonnummer «ALLÔ 111» engagiert, auf der Kinder erlittene Missbräuche anzeigen können. In Zusammenarbeit mit nationalen Partnern und der Regierung konnte Tdh einen Beitrag zur Entwicklung von Kinderschutzmassnahmen im ganzen Land leisten.
Medizinische Spezialbehandlungen – 20 togolesische Kinder wurden während einer chirurgischen Mission von Tdh in Benin operiert. 30 Kinder, die nicht vor Ort behandelt werden konnten und unter einem Herzfehler oder Fehlbildungen (in den Bereichen Orthopädie, Verdauung, Augen, Hasenscharte) litten, wurden nach Europa überwiesen, um die für ihre Genesung notwendigen Operationen zu erhalten.
Die Herausforderungen
In ländlichen Gebieten müssen Kinder arbeiten, um einerseits für ihre Zukunft zu sorgen und andererseits zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Man begegnet ihnen auf Märkten, in Steinbrüchen und als Hausangestellte. Immer mehr Kinder werden Opfer von Misshandlungen am Arbeitsplatz. Tdh intensiviert die Arbeit zur Prävention und Aufdeckung solcher Missstände und setzt sich für den Kinderschutz ein. Die Behörden wollen sich vermehrt engagieren. Trotzdem ist die Umsetzung von Erklärungen zum Kinderschutz wenig wirksam und die staatlichen Sozialdienste bleiben unzureichend.
GESCHICHTE - Der Grossmarkt von Lomé
Ein gutes Beispiel für die Anstrengungen von Tdh zur Verbesserung der Lebensbedingungen von arbeitenden Kindern bietet der Grossmarkt von Lomé. Die hier als Verkäuferinnen arbeitenden Mädchen laufen grosse Gefahr, ausgebeutet und misshandelt zu werden. Ausserdem mutet man ihnen oft Arbeiten zu, die ihre körperlichen Fähigkeiten übersteigen.
Die Anwesenheit von Tdh auf dem Grossmarkt ist das Ergebnis zweijähriger Verhandlungen mit den Arbeitgebern und der Marktleitung. Tdh konnte schliesslich einen Treffpunkt eröffnen, in dem ständig eine Sozialarbeiterin zugegen ist. Zudem kommen regelmässig Erzieher auf den Markt, um Präventionsaktionen und Alphabetisierungskurse durchzuführen, die in einem improvisierten Klassenzimmer stattfinden, das von den Mädchen jeden Tag auf- und wieder abgebaut wird. Der Treffpunkt dient hauptsächlich dazu, den Mädchen wenn nötig zu erlauben, ihr Herz auszuschütten. Einige nutzen ihn auch, um sich auszuruhen oder zu schlafen, andere um etwas auszuspannen, zu diskutieren oder über Probleme zu sprechen.
Für Tdh ist diese Präsenz auf dem Grossmarkt wichtig, um Kinder in Krisensituationen ausfindig zu machen und sofort zu ihrem Schutz beitragen zu können. Zudem gibt dies Kindern einen «Raum der Hoffnung», wo sie für ein paar Augenblicke «Kind sein» dürfen und man ihnen eine Tür aufmacht, durch die sie den Grossmarkt verlassen können. Tdh nutzt diese Präsenz aber auch für die Förderung der Kinderrechte bei den Arbeitgebern. Das mittelfristige Ziel ist, die Kinderarbeit im Grossmarkt von Lomé zu unterbinden. Ein ambitioniertes Vorhaben, das aber unbedingt gelingen muss.

