Obwohl die Medizin in den letzten 50 Jahren geradezu spektakuläre Fortschritte verzeichnet hat, können sich zwei Drit-tel der Menschheit mit Herzfehlern oder anderen komplizierten Krankheiten nicht behandeln lassen, weil es an Mitteln, technischen Einrichtungen, Fachwissen und an ausgebildetem Personal fehlt – vor allem in Entwicklungsländern. Gerade bei Kindern kommen schwere Behinderungen und Krankheiten einem Todesurteil gleich. Terre des hommes (Tdh) setzt sich deshalb in zehn Ländern dafür ein, dass der Zugang zur medizinischen Grundversorgung ausgebaut und behinderte und schwer kranke Kinder behandelt und operiert werden.
Ausgangslage
Recht auf medizinische Behandlung - Jedes Kind hat gemäss Uno-Kinderrechtskonvention das Recht auf medizinische Grundversorgung. 192 Staaten haben das Abkommen unterzeichnet, und sie haben die Pflicht, kranken Kindern die notwendige ärztliche Behandlung zu er- möglichen. Doch jedes Jahr sterben zehn Millionen Kinder in den Entwicklungsländern, weil es keinen Arzt und kein Spital in ihrer Nähe gibt, oder weil die Medikamente vor Ort fehlen. Es ist bekannt, dass 90% dieser Kinder an Krankheiten sterben, die leicht geheilt werden könnten. Weniger bekannt ist, dass jährlich eine Million Kinder an schweren Herzfehlern und an den Folgen von Behinderungen sterben. Im Heimatland dieser Kinder fehlen die technischen Einrichtungen und das Fachwissen für komplizierte Operationen.
Ungleiche Versorgung - Afrika ist in medizinischer Hinsicht besonders unterversorgt. 25% aller weltweiten Krankheits-fälle fallen in Afrika an, doch verfügt der Kontinent nur über 1,3% des weltweit ausgebildeten Personals. Ausserdem ist eine medizinische Behandlung von schweren und komplizierten Krankheiten für die meisten Menschen unerschwinglich. Deshalb konzentrieren wir unser Engagement für Kinder mit Herzfehlern und Behinderungen auf einige der ärmsten Länder Afrikas. Für Tausende von Kindern mit Behinderungen oder schweren Krankheiten ist die Situation hoffnungslos – sie können in ihrem Heimatland nicht behandelt werden. Angesichts dieser Ungerechtigkeit betrachten wir es als unse-re Aufgabe, diesen Kindern eine angemessene Behandlung oder Operation zu ermöglichen.
Carlos Royo, beratender Arzt bei Terre des hommes
Das tun wir
Tdh nimmt die Kinderrechtskonvention als Grundlage und kämpft für eine verbesserte medizinische Grundversorgung. Zudem ermöglicht Tdh Kindern mit Behinderungen oder schweren Krankheiten wie Herzleiden eine auf ihr Leiden zugeschnittene Behandlung und Operation; wir sprechen dabei von medizinischen Spezialbehandlungen.
Dabei lautet unser Ansatz :
1. Behandlung wenn immer möglich vor Ort;
2. Behandlung falls nicht anders möglich in Europa;
3. Entsendung von Ärzteteams in die Projektländer für einen Austausch des Fachwissens.
Behandlung vor Ort - Diagnose und Behandlung werden je nach Projektland entweder direkt von unseren Teams durchgeführt, oder aber an die Spitäler vor Ort delegiert, mit denen wir zusammen arbeiten. Wir unterstützen einige Kinderabteilungen dieser Spitäler mit finanziellen Mitteln oder auch administrativ und technisch.
Operationen in Europa - Sind die Spitäler im Projektland für eine anspruchsvolle Operation nicht ausgerüstet, so be-gleitet ein Netzwerk von spezialisierten Organisationen und Freiwilligen das Kind nach Europa, um es im Genfer oder Waadtländer Universitätsspital oder in einem Nachbarland der Schweiz zu operieren. Vom Hauptsitz von Tdh in Le Mont-sur-Lausanne aus werden Visa und Zertifikate organisiert. Für die Dauer der Behandlung in der Schweiz muss sich die Familie von ihrem Kind trennen – was ein grosses Vertrauen in uns voraussetzt. Für die Genesung der kleinen Pati-enten ist neben der eigentlichen Operation vor allem auch die Vor- und Nachbetreuung sehr wichtig. In dieser Zeit wohnen sie in einem eigens dafür gegründeten Kinderheim, La Maison in Massongex (VS).
Wissensaustausch - Gemeinsam mit den beiden erwähnten Schweizer Spitälern führen wir regelmässig Reisen von Ärzteteams in die Projektländer durch. Diese Teams vermitteln den lokalen Ärzten und dem Pflegepersonal ihr Fachwissen und führen auch Operationen durch. Ausserdem nehmen sie an Fachkonferenzen teil und treffen sich mit den Gesundheitsbehörden. Mit diesem Austausch fördern wir die Entwicklung des Gesundheitssystems in den Projektländern.
Auf den Punkt gebracht
„Nach der Landung in Nouakchott küsste Zoubeir mit dem hinreissenden Lachen eines Kindes meine Hand. Wir gingen mit der ganzen Familie in sein Dorf. Bewegend der Moment, als seine Grossmutter ihn an ihr Herz drückte. Glücklicherweise ist sein Herz wieder gesund!“
Anne, Aviation sans Frontières




