Im Verlauf ihres 30-jährigen Einsatzes in Senegal konnte Terre des hommes (Tdh) in den Bereichen der Gesundheit sowie der medizinischen Spezialbehandlungen eine anerkannte Fachkompetenz entwickeln.
Die Lösungsansätze von Terre des hommes
Gesundheit und Ernährung – Tdh setzt sich im Distrikt Podor für die Verbesserung der Gesundheit und Ernährung bei Kindern von 0 bis 5 Jahren ein und fördert für schwangere Frauen den Zugang zur Gesundheitspflege. Die Bevölkerung wird in Bezug auf die Gesundheit von Mutter und Kind sowie das ausschliessliche mütterliche Stillen bis zum 6. Monat sensibilisiert.
Spezialbehandlungen – Tdh sorgt vor Ort oder im Ausland für Kinder, die unter schweren Krankheiten leiden. Des Weiteren unterstützt Tdh den kinderärztlichen Dienst und das orthopädische Atelier am Spital von Thiès.
Kinderschutz – In Zusammenarbeit mit Behörden und lokalen Akteuren Guédiawaye’s führt Tdh ein Schutzprojekt durch, bei dem die Stiftung sich für Jungs einsetzt, die zur Erziehung in Koranschulen platziert werden. Unter Androhung schwerer Strafen werden sie gezwungen, den ganzen Tag zu betteln, um für den religiösen Lehrer Geld aufzutreiben. Tdh bietet den Kindern Gesundheitspflege, Aktivitäten, Alphabetisierung oder Berufsausbildungen an.
Ergebnisse 2008
Gesundheit und Ernährung – 1/3 der Bevölkerung von Podor profitiert vom Projekt: 6’264 Kinder von 0 bis 36 Monaten und 2’320 schwangere oder gebärende Frauen. 30 gemeindliche „Krankenwagen“ erleichtern auf flexible und rasche Art den Zugang zur Behandlung.
Spezialbehandlungen – 17 schwerkranke Kinder wurden in Dakar gepflegt und 24 in europäische Spezialeinrichtungen überführt. Im Spital von Thiès wurden 7 orthopädische Operationen und 107 notwendige Geräte durch Tdh finanziert. 104 unterernährte Kinder erhielten eine angemessene Behandlung.
Kinderschutz – Tdh hat 179 Kinder aus Koranschulen, Talibé genannt, in Gesundheitsfragen und bzgl. der Hygiene unterstützt sowie zahlreiche Sport- und Freizeitaktivitäten in die Wege geleitet. Zu den Organisationen der Koranlehrer und der „Paten“ wurden enge Beziehungen geknüpft, um einen Austausch in Bezug auf optimalen Vorgehensweisen zur Bekämpfung der Ausbeutung zu erreichen.
Die Herausforderungen
Gesundheit und Ernährung für Mutter und Kind – Tdh setzt sich zusammen mit den öffentlichen Gesundheitsdiensten für die Verbesserung der Behandlungsqualität ein. Eines der wichtigen Projektziele ist es, die Gemeinden so zu unterstützen, dass sie bei Krankheiten von Kindern oder schwangeren Frauen mehr Eigenverantwortung übernehmen. Kinderschutz – Ein Kind einer Koranschule anzuvertrauen, ist ein Brauch, der zur senegalesischen Kultur gehört. Tdh arbeitet daran, dass diese Tradition unter Beachtung der Grundrechte der Kinder erfolgt und sie eine gute Schulausbildung erhalten. Dies gibt ihnen später die Chance, in die Gesellschaft integriert zu werden.
GESCHICHTE - Betteln, um die Schule zu bezahlen
„Ich heisse Ahmedoune Diagne (Vorname und Foto geändert) und bin, glaube ich, 8 Jahre alt. Seit ich 5 bin, lebe ich in Guédiawaye in einer Koranschule (einer Daara) unter Aufsicht eines Religionslehrers, einem Marabut. Ich bin gezwungen, täglich bis zu 12 Stunden zu betteln, um für meine eigenen Bedürfnisse und diejenigen der Daara aufzukommen. Damit ich nicht bestraft werde, muss ich täglich einen grossen Betrag zurückbringen [2'400 CFA oder 6 CHF].
Am besten ist es jeweils am Freitag vor der Moschee zu betteln: Die Leute geben uns mehr Geld. Meine Eltern wohnen weit weg von hier und ich habe sie in drei Jahren nur ein einziges Mal gesehen. Ich habe auch kleine Brüder und Schwestern, die ich nicht kenne. Ich verstehe mich eigentlich gut mit den anderen Kindern. Wir haben immer zusammen gebettelt und es gibt keinen Chef unter uns. Auch mit den Kindern des Marabut, die in derselben Daara leben, gibt es keine Schwierigkeiten. Aber sie betteln nicht! Und sie können die öffentliche Schule besuchen.
Zum Glück hilft man uns sehr [Tdh und seine lokalen Partner]. Vor Kurzem sind sie gekommen, um die Schule zu desinfizieren und um uns mit neuen Liegematten auszurüsten. Dank ihnen kann ich Alphabetisierungskurse besuchen und ich habe im Bezirk eine Dame gefunden, die meine „Patin“ geworden ist: Sie kümmert sich um mich, gibt mir zu essen und wäscht meine Kleider. Sie ist wie eine zweite Mama! Dann gibt es die Betreuer, die uns beruhigen, wenn wir Angst haben und uns Mut machen. Ich darf jetzt Spielen und Sport treiben und fühle mich weniger allein! Schon bald werde ich auch meine Familie in meinem Dorf besuchen.“

