Terre des hommes (Tdh) fördert in Osteuropa den Kinderschutz und unterhält dazu in Budapest ein Regionalbüro. Neben der Förderung der Kinderrechte im Bereich des Jugendstrafrechts engagiert sich die Stiftung gegen den Kinderhandel und setzt sich für das Wohlergehen HIV-infizierter Minderjähriger ein.
In Südosteuropa verleitet die Armut Familien dazu, ins Ausland zu emi- grieren, wo sie aber oft kein besseres Schicksal erwartet. Wenn Kinder oder Jugendliche ohne ihre Familien ins Aus- land gelangen, sind sie noch mehr ge- fährdet, ausgebeutet zu werden. Einige tauchen unter, andere werden Opfer von Kinderhandel oder irren ohne Zukunfts- perspektiven von Land zu Land.
Ebenfalls Anlass zur Sorge gibt die wachsende Zahl von HIV - infizierten Jugendlichen in den Transitländern Europas. Viele dieser Kinder werden diskriminiert und haben keinen Zugang zu angemessener Behandlung. Weiter beobachtet das Kinderhilfswerk Tdh, dass die Kinderrechte gerade im Bereich des Jugendstrafrechts nicht eingehalten werden. So werden beispielsweise Kinder nach wie vor für Bagatelldelikte eingesperrt, was mit der Internationalen Kinderrechts- konvention nicht zu vereinbaren ist.
Das tun wir
Ziel von Tdh ist es, in Albanien, Kosovo, der Republik Moldau (Moldawien) und Rumänien bis 2009 eine verbesserte Kinderschutzpolitik zu erreichen. Seit Januar 2006 führt Tdh dazu ein Regionalbüro in Budapest, das unsere Delegationen in den vier Ländern organisatorisch und technisch unterstützt. Auch bereitet das Büro Informationen und Dossiers auf, damit die Delegationen vor Ort effektive Lobbyarbeit leisten können. Das Regionalbüro vernetzt die Kinderschutz-Projekte von Tdh in der Region und bringt das Fachwissen in Konferenzen, beispielsweise der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) ein.
Basierend auf der 15-jährigen Erfahrung in Osteuropa fördert Tdh den Kinderschutz hauptsächlich in den folgenden drei Bereichen:
Kinderhandel und Risiken der Migration: Hierfür orientieren wir uns an den bereits umgesetzten Projekten „TACT“ in Albanien, wo wir die Behörden darin unterstützen, Präventionskampagnen gegen Kinderhandel durchzuführen und Kindern vor Ort neue Perspektiven zu geben. Wir fördern aufeinander abgestimmte Erfassung und Überwachung (Monitoring) des Phänomens Kinderhandel und beziehen Länder wie die Schweiz, Griechenland, Italien und Russland in den Kampf gegen Kinderhandel mit ein.
Jugendstrafrecht: Vertretern des Jugendstrafrechts bieten wir Seminare an, damit sie mit den internationalen Normen vertraut werden und diese anwenden. Für straffällige Minderjährige befürworten wir Alternativen zur Haftstrafe wie beispielsweise die gemeinnützige Arbeit.
HIV-infizierte und aidskranke Kinder und Jugendliche: Wir setzen Sensibilisierungskampagnen um und engagieren uns gegen die Diskriminierung HIV-infizierter Minderjähriger. Aidskranke Kinder und Jugendliche sollen zudem eine angemessene Behandlung erhalten.
Konkrete Massnahmen vor Ort
Albanien: Tdh hat bereits die Unterzeichnung eines bilateralen Abkommens zwischen Griechenland und Albanien erreicht, womit Opfer von Kinderhandel besser geschützt werden. Während Tdh in Albanien bisher selbst Serviceleistungen zur Prävention von Kinderhandel angeboten hat, unterstützt Tdh heute die albanischen Behörden darin, diese Dienste zu übernehmen und hilft bei der spezifischen Ausbildung von Fachleuten, wie zum Beispiel von Sozialarbeiter/innen. Gemeinsam mit Unicef bereitet Tdh zudem eine Konferenz über das Jugendstrafrecht vor.
Kosovo: Tdh setzt sich dafür ein, dass für Jugendliche im neuen Strafgesetz auch Alternativen zur Haftstrafe vorgesehen sind und plädiert für die Annahme eines Gesetztes, das die Mediation als Massnahme vorsieht. In Bezug auf Aids muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet und der Zugang zur antiretroviralen Therapie ermöglicht werden.
Republik Moldau: Gemäss den Richtlinien von Unicef sieht das moldawische Strafgesetz Massnahmen im Fall von Kinderhandel vor, doch ist die Umsetzung – wie auch im Bereich des Jugendstrafrechts – oft nicht gewährleistet. Gleiches kann bezüglich HIV-infizierten Jugendlichen beobachtet werden, die trotz entsprechenden Gesetzesgrundlagen in vielen Fällen keinen Zugang zu effizienter Behandlung erhalten.
Rumänien: Im Bereich des Jugendstrafrechts unterstützen wir unsere Partnerorganisationen bei der Umsetzung der nationalen und internationalen Gesetzestexte. Nach einem hartnäckigen Kampf von Tdh und ihren Partnern haben aidskranke Kinder heute Zugang zu Behandlungen. Jedoch sind weiterhin Massnahmen gegen die Diskriminierung von jugendlichen HIV-Infizierten vonnöten.

