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Tdh Peru

Obwohl Peru ein Jugendstrafrecht besitzt, das Alternativen zur Haftstrafe vorsieht, sitzen zahlreiche Jugendliche im Gefängnis. In den Armenvierteln Limas werden zudem Tausende Kinder mangelhaft ernährt.


Tdh Landkarte PeruDie Lösungsansätze von Terre des hommes

Jugendstrafrecht – Terre des hommes (Tdh) stellt Jugendlichen juristischen Beistand zur Verfügung und begleitet sie auf dem Weg aus der Kriminalität.

Kooperation mit lokalen Behörden – Tdh betreibt auf Regierungsebene und in Kommunen Fürsprache für Kinder und Jugendliche, indem Alternativen zu Gefängnisstrafen aufgezeigt werden. Tdh versucht, den Behörden vor Ort mit ihrem Wissen zur Verfügung zu stehen. Zu diesem Zweck veröffentlichten Tdh und ihre Partnerorganisation Encuentros eine Fachzeitschrift zur Justizarbeit mit Jugendlichen (www.justiciaparacrecer.org).

Vorbeugung chronischer Mangelernährung – In den ärmsten Stadtvierteln Limas betreuen Tdh und ihre Partner schwangere Frauen sowie Mütter mit Kleinkindern. Tdh fördert die medizinische Betreuung während der Schwangerschaft und unterstützt Frauengruppen.


Ergebnisse 2008

Tdh Peru - Jugendliche im Gefaengnis - Melanie RouillerDirekte Unterstützung – Tdh hat mit ihrem interdisziplinären Team (Anwalt, Sozialarbeiter, Psychologe) 200 kriminelle Jugendliche unterstützt. Anstelle einer Gefängnisstrafe wurden erzieherische und soziale Massnahmen angeordnet, die die Wiedereingliederung von Jugendlichen in ihre Familie und in die Gesellschaft begünstigten.

Kooperation mit lokalen Behörden – 2008 hat Tdh fast 600 lokale Polizisten, Anwälte, Richter, Lehrer und Sozialarbeiter durch Aus- und Weiterbildungen auf die Problematik der Strassenkinder aufmerksam gemacht.

Nothilfe – Nach dem Erdbeben von Pisco von 2007 leistete Tdh für mehr als 2’500 Kinder psychosoziale Hilfe und stellte den Zugang zu Trinkwasser und besseren Hygienebedingungen für mehr als 1’000 Familien sicher.


Die Herausforderungen

Arbeitslosigkeit – Obwohl Peru während der letzten Jahre ein grosses wirtschaftliches Wachstum vorweisen kann, ist die Arbeitslosenquote hoch geblieben. So besteht im Land weiterhin ein grosses Wohlstandsgefälle. Dies trifft vor allem Kinder und Jugendliche, die ohne genügende Schulbildung keine Möglichkeit haben, ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern. Kriminalität – In den letzten Jahren ist in Peru die Kriminalität auf den Strassen angestiegen. Gangs beherrschen die armen Stadtviertel und rekrutieren Kinder und Jugendliche für ihr Drogengeschäft. Durch die oben erwähnte Arbeitslosigkeit ist es schwierig, den Kindern und Jugendlichen eine Alternative zur Kriminalität aufzuzeigen.


GESCHICHTE - Von der Strasse ins Gefängnis

Geraldine (15) ist mit ihren drei Brüdern in einer Karton-Hütte auf¬gewachsen. Ihr Vater hat sie und ihre Brüder verlassen, als sie 4 war. Ihre Mutter musste sich fortan alleine um die Kinder kümmern.

Tdh Peru- Jugendstrafrecht - Melanie RouillerDa sie aber von früh morgens bis spät abends arbeitete, waren die Kinder auf sich alleine gestellt. So kamen sie in die Fänge einer lokalen „Gang“, die das Quartier beherrschte.
Der Gruppendruck in solchen „Gangs“ ist enorm. Die Mitglieder stiften sich gegenseitig zu kriminellen Taten an, und geben danach mit ihren Errungenschaften an. So kam es, dass Geraldine zum ersten Mal stahl. Es war die Handtasche einer Frau, die auf dem Heimweg von der Arbeit war. Zu ihrem Pech gab es Zeugen, welche den Diebstahl bei der Polizei meldeten, die Geraldine festnahm. Die Polizisten informierten danach die Jugendarbeiter von Tdh.
Das erste Treffen mit einem Jugendlichen läuft immer gleich ab: Zuerst gibt es ein Gespräch unter vier Augen. Danach wird Kontakt mit den Eltern des Jugendlichen aufgenommen. Das Opfer des Verbrechens wird kontaktiert und weitere Informationen über das Geschehene werden zusammengestellt. Dazu gehört auch, die Motivationen hinter der Tat eines Jugendlichen zu eruieren. Mit diesen Informationen kann anschliessend eine umfassende juristische Verteidigung des Jugendlichen vorbereitet werden.
Tdh und ihr Partner konnten die Behörden davon überzeugen, von einer Gefängnisstrafe abzusehen und Geraldine wieder in die Hände ihrer Mutter zu geben. Jetzt muss sie sich regelmässig im Büro des Staatsanwalts melden und Gemeinschaftsarbeit leisten. Somit wurde das Mädchen zwar mit ihrer Tat konfrontiert; ihr wurde aber eine schmerzhafte Gefängnisstrafe, die oftmals ohne Ergebnisse bezüglich des Verhaltens der Jugendlichen endet, erspart.


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Was kann Tdh bewirken mit?
• CHF 20.-: Unterstützung von 5 freiwilligen Sozialarbeitern während eines Monats.

• CHF 50.-: Alternative Betreuung von kriminellen oder drogenabhängigen Jugendlichen während drei Monaten.


Tdh in Peru
Delegierter: Jean Schmitz,

Einheimisches Tdh-Personal: 4,

Einsatzorte: Lima, Chiclayo, Pisco,

Partnerorganisationen: Kusi Warma, Encuentros Casa de la Juventud,

Personal von Partnerorganisationen: 32 bei Kusi Warma, 24 bei Encuentros,

Budget 2009: CHF 700’ 000,

Aufteilung: 80% Justizarbeit, 20% Vorbeugung chronischer Mangelernährung.


Die Situation der Kinder
• 60% der Kinder leben unter Armutsgrenze.

• 19% der Kinder zwischen 5 und 14 Jahren müssen arbeiten.

• Etwa 35’000 Kinder leben auf der Strasse.

• 29% der Neugeborenen werden mit künstlicher Milch anstelle von Muttermilch ernährt.

• 30% der unter 5-jährigen weisen einen Entwicklungsrückstand auf.

Peru in Zahlen
Gesamtbevölkerung: 27 Millionen Einwohner (CH: 7,5)

37 Prozent der Bevölkerung ist unter 18 Jahre alt (CH: 20%)

87. Rang von 177 auf dem Index der menschlichen Entwicklung (CH: 7.)

Alltagsleben 1 kg Reis kostet: CHF 1.05

1 kg Weizenmehl kostet: CHF 1.10

Monatslohn eines Tdh-Mitarbeiters in Peru: CHF 550.-

Monatsverdienst eines Strassenkindes: CHF 55.-

(Quellen: UNDP, UNICEF, Tdh)