Im Libanon, wo palästinensische und irakische Flüchtlingskinder mit grossen Schwierigkeiten konfrontiert sind, leistet Terre des hommes (Tdh) lebenswichtige psychologische Hilfe.
Die Lösungsansätze von Terre des hommes
Flüchtlingshilfe - Im Libanon, ein Land, das die UN-Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet hat, erhalten irakische und palästinensische Flüchtlingskinder Schutz sowie psychologische und soziale Unterstützung durch Tdh. Flüchtlinge haben in diesem Land nur wenige Rechte und sie haben nur unter grossen Schwierigkeiten Zugang zu entsprechenden Hilfsleistungen, insbesondere im psychologischen Bereich. Doch gerade hier ist der Bedarf aufgrund schwerer traumatischer Erlebnisse in ihrem Heimatland am grössten. Tdh gilt als eine Referenz auf diesem Gebiet. Psychologen arbeiten mit den palästinensischen Flüchtlingen und der lokale Partner Insan beschäftigt mobile Einsatzkräfte, die sich um die irakischen Bevölkerungsgruppen kümmern.
Kinderschutzpolitik - Um den Kindern einen geschützten Rahmen zu geben, hat Tdh in den palästinensischen Flüchtlingslagern ein Betreuungssystem eingerichtet. Das Projekt versucht ausserdem, zwischen der irakischen und libanesischen Kultur zu vermitteln, um den beiden Gemeinschaften zu einem besseren Verständnis untereinander zu verhelfen.
Ergebnisse 2008
Nachdem das Nachkriegsprojekt im Südlibanon abgeschlossen war, wurde in Beirut ein Hilfsprojekt für irakische Flüchtlinge ins Leben gerufen. Handelte es sich im Süden vor allem um die Teilnahme von jungen Palästinensern an Mikroprojekten, mit dem Ziel die Kinder in ihrer eigenen Gemeinschaft zu schützen, erfolgen die Massnahmen bei den irakischen Flüchtlingen zu Hause bzw. in Form von Strassenaktionen. Sozialarbeiter kümmern sich regelmässig um die Kinder, die nicht zur Schule gehen können. Das Ziel, rund 150 Familien zu helfen, wurde in weniger als sechs Monaten erreicht. Künftig sollen 300 Familien, das heisst zwischen 750 und 1500 Personen, betreut werden.
Die Herausforderungen
Von der Zukunft des Irak hängt auch die Situation der Flüchtlinge im Libanon ab. Derzeit haben sie keinen legalen Status und bewegen sich innerhalb des Landes nur wenig, aus Angst vor Rückführung an die Grenze oder vor häufig vorkommenden Übergriffen. Die Palästinenser ihrerseits haben nur wenige Aussichten auf eine baldige Rückkehr in ihr Land. Die Flüchtlinge haben diese Situation sehr wohl erkannt und hegen kaum noch Hoffnung, mit dramatischen Folgen für die Kinder: häufiges Schuleschwänzen, Gewalt in der Familie und der Gemeinschaft, ein erhöhtes Drogenrisiko und andere riskante Verhaltensweisen. Die Jugendlichen fühlen sich zu sozialen und politischen Organisationen hingezogen, wo sie Gehör finden und in ihrer Not Unterstützung erhalten können. Einige dieser Gruppen verunsichern sie noch mehr in Bezug auf ihr Umfeld und ihre Zukunft.
GESCHICHTE - Kinder, die zum Überleben arbeiten müssen
Der UNO-Ausschuss für die Rechte des Kindes hat den Libanon aufgerufen, die Diskriminierung von Flüchtlingskindern zu bekämpfen; doch immer noch sind viele davon betroffen und müssen schon sehr früh für den Unterhalt ihrer Familien aufkommen.
Mit ihrer Mutter und ihren 3 Brüdern wohnt die 13-jährige Nesrine in einem palästinensischen Flüchtlingslager im Südlibanon. Nachdem der Vater versucht hatte, sich an seiner kleinen Tochter sexuell zu vergehen, lebt er nicht mehr bei der Familie. Die Mutter hat die mutige Entscheidung getroffen, die Kinder vorsichtshalber vom Vater fernzuhalten. Als ältestes Kind hat Nesrine die Schule abgebrochen, um die Familie zu unterstützen. Für 150 US-Dollar pro Monat verkauft sie Kleider. Es ist ihr Traum, genug zu verdienen, damit ihre Geschwister weiterhin zur Schule gehen können. Sie wünscht sich auch, dass ihr Vater zu trinken aufhört.
Mahamad ist 14 Jahre alt und das älteste von 6 Kindern. Er lebt mit seiner Familie in einem palästinensischen Sammellager im Südlibanon. Vor 2 Jahren hat er die Schule abgebrochen, um in einer Autolackiererei zu arbeiten. Die Arbeit ist schwer und hat sein Asthma verschlimmert, aber es war die einzige Beschäftigung in der Nähe des Lagers, was ihm den Kauf einer Fahrkarte erspart. Abends kommt Mahamad sehr spät nach Hause. Er ist traurig, weil er nie Zeit zum Spielen hat. Er möchte später einmal Ingenieur werden. Doch die finanzielle Lage der Familie lässt diesen Traum nicht zu, und doch würde er so gerne wieder lernen.

