Arbeitslosigkeit und Armut belasten die überdurchschnittlich junge Bevölkerung im Kosovo. Viele Minderjährige begehen kleinere Diebstähle und gleiten später in die Kriminalität ab. Terre des hommes (Tdh) fördert im Kosovo Präventionsmassnahmen im Bereich des Jugendstrafrechts und kämpft gegen Kinderhandel.
Jugendstrafrecht - In Zusammenarbeit mit Sozialdiensten, Polizei und Schulen werden Kinder ausfindig gemacht, die sich strafbar gemacht haben oder gefährdet sind, auf Abwege zu geraten. Diese Kinder werden begleitet und darin unterstützt, einen Weg abseits von Gewalt und Kriminalität zu gehen. Gleichzeitig setzt sich Tdh dafür ein, dass für Jugendliche bis 18 Jahre im neuen Strafgesetz auch Alternativen zur Haftstrafe vorgesehen sind.
Minderjährige Straffällige erhalten beispiels- weise durch die Verrichtung gemeinnütziger Arbeit die Chance, ihrer kriminellen Laufbahn ein Ende zu setzen und sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Tdh plädiert zudem für ein Gesetz, das bei geringfügigen Delikten Mediationsverfahren vorsieht und bildet Fachpersonen des Jugendstrafrechts weiter, damit Prozess und Strafvollzug für Minderjährige gemäss den in der Kinderrechtskonvention festgelegten Normen ablaufen.
Kinderhandel - Parallel dazu kämpfen die Delegationen von Tdh im Kosovo und in Albanien gegen den Kinderhandel und die Ausbeutung albanischer Kinder, die für ein paar Euro in den Strassen Kosovos zu Diebstahl und Bettelei gezwungen werden.
Rückblick
Tdh begann im Jahr 2000, unmittelbar nach der Beendung des Krieges, im Kosovo zu arbeiten. Das erste Projekt hatte zum Ziel, in der Region Mitrovica und Svejan vom Krieg traumatisierten Kindern zu helfen. Ebenfalls setzte sich Tdh für den Wiederaufbau von Schulen und für die Einrichtung von Freizeitzentren ein. In der Folge initiierte Tdh 2002 in Pristina ein Projekt im Bereich des Jugendstrafrechts.
Eine Folge des Krieges ist die Zunahme von Gewalt und Kriminalität bei Kindern. Über 300 Kinder konnten bis heute von einer individuellen Unterstützung profitieren, sei es in Form von gemeinnütziger Arbeit oder durch Massnahmen zur Vorbeugung von Gewalt und Kriminalität.
Im Jahre 2005 begann der Einsatz von Tdh im Kosovo und Albanien gegen die Ausbeutung albanischer Kinder und den Kinderhandel.
Ausblick
Wir werden unsere Partnerorganisationen, die sich im Bereich Jugendstrafrecht einsetzen, bis voraussichtlich 2009 verstärkt unterstützen. Denn es herrscht immer noch Mangel an Personal und an finanziellen Mitteln für die Betreuung minderjähriger Straffälliger. Bis dahin sollte die Provinz Kosovo über gefestigte Strukturen verfügen, auch wenn im aktuellen Kontext nach jedem Schritt vorwärts auch immer wieder ein Schritt rückwärts droht.
Geschichte
Eines Tages wurde Gëzim bei einem Diebstahl erwischt und musste vor den Jugendgerichter. Unmittelbar nach der Verurteilung zu 80 Tagen gemeinnütziger Arbeit trafen die Sozialarbeiter von Tdh auf Gëzim. «Als ich das Urteil hörte, verstand ich zuerst gar nicht, was es bedeutete. Man sagte mir, dass Arbeit gut für mich sei, mir die Augen öffnen und eine bessere Zukunft weg von der Kriminalität ermöglichen würde... Mir aber gefiel die Idee, Gratisarbeit für die Gemeinde zu verrichten, nicht besonders.
Die Sozialarbeiter von Tdh begleiteten mich zum Gemeindehaus und stellten mich dem Vorgesetzten vor. Nachdem er mir die Aufgaben erklärt hatte, verabschiedeten sich die Sozialarbeiter. Ich fürchtete mich vor der neuen Aufgabe. Erst nach einigen Tagen wurde mir klar, dass ich die Arbeit gut bewältigen konnte und auch die Mitarbeiter nahmen mich gut auf.
Dank der gemeinnützigen Arbeit habe ich begriffen, dass ich den falschen Weg eingeschlagen hatte. Ich möchte eines Tages eine Familie gründen und für sie sorgen, einer geregelten Arbeit nachgehen und ein normales Leben führen.»
Heute besucht Gëzim mit Begeisterung Informatikkurse, die Tdh anbietet und ist dankbar, dass er eine zweite Chance bekommen hat – was im Kosovo selten ist.

