Terre des hommes (Tdh) konzentriert sich in Haiti auf die Bekämpfung von schwerer Mangelernährung. Haiti ist das ärmste Land Lateinamerikas, das Gesundheitswesen ist hier praktisch inexistent und nur schwer zugänglich. Seit dem verheerenden Erdbeben im Januar 2010 leistet Tdh der betroffenen Bevölkerung Nothilfe.
Nothilfe
Tdh kommt den Opfern des Erdbebens vom 12. Januar 2010 zu Hilfe. Das Team bietet Verletzten medizinische und psychosoziale Unterstützung und stellt die Siedlungshygiene und die Trinkwasserversorgung in den beiden Spitälern von Les Cayes sicher. In der Region Léogâne, Petit und Grand Goâve (westlich von Port-au-Prince) werden mobile Kliniken in Dörfer entsandt, um schwer mangelernährte Kinder ausfindig zu machen und zu behandeln. Kinder, Frauen und Familien erhalten Hygiene-Sets. An den Unterkunftsorten der Erdbebenopfer werden Latrinen und der Zugang zu Trinkwasser eingerichtet. Zudem werden für Kinder psychosoziale Zentren eröffnet, die von Sozialarbeitern betreute Aktivitäten anbieten. Diese Aktivitäten sollen es erlauben, die Widerstandsfähigkeit der Kinder zu unterstützen sowie unbegleitete Kinder zu erkennen und zu ihren Familien zurückzuführen.
Regelmässige Informationen dazu finden Sie in der Rubrik Aktuell.
Die Lösungsansätze von Terre des hommes
Gemeinschaftliche Bekämpfung von Mangelernährung - Tdh bekämpft die Mangelernährung in konzertierter Zusammenarbeit mit den Gemeinschaften: Verwendung lokaler Produkte, Stillförderung, Wasseraufbereitung. Schwere Fälle mangelernährter Kinder werden im Stabilisierungszentrum des Bezirksspitals des Südens behandelt, weniger schwere Fälle ambulant auf Gemeindeebene.
Zugang zu Wasser und Siedlungshygiene - Tdh stellt Bohrungen und die Instandsetzung von Auffangvorrichtungen, die Wasseraufbereitung und den Bau von Latrinen sicher. Die Förderung von Hygienemassnahmen in den Gemeinschaften ermöglicht lokale Fähigkeiten zu verstärken und einen nachhaltigen Unterhalt der Anlagen zu gewährleisten.
Nothilfe - Tdh organisiert mobile Kliniken, um an Mangelernährung leidende Kinder ausfindig zu machen und zu behandeln. Die Stiftung verfügt über ein Materiallager, um die Verteilung von Trinkwasser und den Bau von Notlatrinen sicherzustellen, wodurch die Entstehung von Keimherden in den Dörfern verhindert werden kann.
Ergebnisse 2008
Gesundheit und Ernährung - 380 Kinder wurden in einer Spezialabteilung des Spitals von Les Cayes behandelt; 240 durch mobile Einheiten. 1233 Kinder unter fünf Jahren und 83 Schwangere wurden in einem Trimester betreut.
Zugang zu Wasser und Siedlungshygiene - Tdh liess Arbeiten an 5 Auffangvorrichtungen durchführen. 67 Familien haben am Bau von Latrinen mitgeholfen. Im Rahmen des Internationalen Jahres der sanitären Grundversorgung sensibilisierte Tdh mehr als 3600 Personen.
Nothilfe - Am Ende der Wirbelsturmsaison wurden in den mobilen Kliniken von Tdh mehr als 11'300 Kinder an entlegenen Orten behandelt, an die sich andere NGO nicht begeben. 102 schwere Fälle von Mangelernährung wurden zudem in einem temporären Stabilisierungszentrum behandelt.
Die Herausforderungen
Seit 15 Jahren organisiert Tdh in Les Cayes (Haiti) Kampagnen zur Aufdeckung von Mangelernährung. Diese Verankerung in der Bevölkerung trägt Früchte, wie zum Beispiel ihr absolut notwendiges Vertrauen und ihren Glauben an unsere Interventionen. Die dringendsten Fälle werden ans Stabilisierungszentrum des von Tdh eingerichteten Spitals überwiesen, dessen Leitung an die öffentliche Hand übergeben wurde. Die Kinderkrankenschwester Nicole hat mit mobilen Kliniken während 4 Monaten im Süden des Landes Gegenden bereist, in die sich sonst niemand begibt: «Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Einbeziehung der Gemeinschaften und Kinder in unsere Aktionen. Sie müssen verstehen, dass wir alle Partner sind, wenn es darum geht, Behandlungen durchzuführen.»
GESCHICHTE - Eine bedürfnisgerechte Antwort
Léger litt im Alter von 1 Jahr an schwerer Mangelernährung. Er verbrachte 8 Monate in der Ernährungs- und der Stabilisierungsabteilung eines nahegelegenen Spitals.
Seine Schwester Marie-Alice war damals 12 Jahre alt: «Nach der Schule kümmerte ich mich um meinen Bruder, während unsere Mutter nach Hause ging, um das Essen vorzubereiten.» Léger benötigte nämlich eine ständige Betreuung, damit seine Grundversorgung und eine familiäre Präsenz sichergestellt waren. Während dieser 8 Monate im Spital kümmerte sich Marie-Alices Stiefvater um die anderen Kinder zu Hause.
Marie-Alice besuchte ihren Bruder auch in der Stabilisierungsabteilung. Sie beobachtete das Pflege- und Betreuungspersonal, das sich mit so viel Geduld um die kranken Kinder kümmerte. «Ich sah Mirlande dabei zu, wie sie mit ihnen spielte, und in dem Augenblick wusste ich, dass ich Krankenschwester werden wollte.» Doch mit 16 Jahren wurde Marie-Alice schwanger und ihre Mutter starb bald darauf. Sie kümmerte sich fortan um ihr eigenes Kind und ihre beiden kleinen Brüder.
Dank Tdh gelang es Marie-Alice aber, Französischkurse in der Alliance Française zu besuchen. Mit 21 Jahren erhielt sie eine Stelle im Tdh-Team, wo sie Hausbesuche macht, um sich um mangelernährte Kinder zu kümmern. Sie ist ausserdem für eine 18-monatige Ausbildung in einer Schule für Hilfskrankenschwestern angemeldet.
Léger ist heute 20 und sein gesundes Aussehen erinnert in keiner Weise an die Mangelernährung, die ihm in seiner frühen Kindheit zu schaffen machte.

