In Ecuador besteht ein riesiges Gefälle zwischen Arm und Reich. Erstere haben kaum Chancen der Armutsfalle zu entfliehen. Ihre Kinder sind vermehrt häuslicher Gewalt ausgesetzt und krank. Zu ihrem besseren Schutz unterstützt Terre des hommes (Tdh) die lokale Partnerorganisation Niñez y Vida in der Umsetzung von Gesundheits- und Kinderschutzprojekten.
Gesundheit von Mutter und Kind - In der Stadt Santo Domingo sind Mütter- und Kinder- sterblichkeit hoch. 20% der schwangeren Frauen sind lediglich zwischen 15 und 17 Jahre alt. Sie und ihre Kinder haben kaum eine Chance, der Armut zu entkommen. Tdh bildet lokale Gesundheitsagentinnen aus, die Frauen und Familien beraten und zu einem verantwort- ungsbewussten Umgang mit Gesundheit und Sexualität anregen.
Kinderschutz - In Quito und Santo Domingo setzen wir uns für einen verstärkten Kinderschutz und gegen Kindesmisshandlung ein. Tdh arbeitet mit zwölf Kinderzentren zusammen, die schutzbedürftige Kinder aufnehmen. Diese erhalten eine ausgewogene Ernährung, können die Schule besuchen und werden psychosozial betreut. Sozialarbeiter/innen suchen mit den Eltern nach Lösungen, damit die Kinder längerfristig in ein gewaltfreies Zuhause zurückkehren können.
Rückblick
Tdh ist seit 1988 in Ecuador tätig und kümmerte sich zu Beginn um vernachlässigte Kinder, die auf Müllhalden nach Essbarem suchten. Bald darauf begann die bis heute dauernde Zusammenarbeit mit der lokalen Partnerorganisation Niñez y Vida. Im Jahre 1991 wurden in Quito vier Kinderzentren aufgebaut. Die mangelhafte medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten veranlasste uns, im Jahre 2001 in der Andenstadt Guamote ein Gesundheitsprojekt für Mutter und Kind zu starten.
Ende 2005 konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden. Seit 2002 unterstützen wir ein Projekt gegen Misshandlung von Kindern und gegen innerfamiliäre Gewalt in der Hauptstadt Quito. Anfangs 2006 starteten wir in der Stadt Santo Domingo unsere Projekte zur Verbesserung der Gesundheit von Mutter und Kind und zum Schutze von Kindern, die vernachlässigt und misshandelt worden sind.
Ausblick
Obwohl Ecuador über Erdöl und fruchtbares Hügelland verfügt, bleibt der Alltag vieler ecuadorianischen Familien von Armut geprägt. Die politische Instabilität nährt gesellschaftliche Konflikte und blockiert den Ausbau von staatlichen Einrichtungen wie dem Gesundheitssystem. Tdh wird gemeinsam mit der Stiftung Niñez y Vida weiterhin daran arbeiten, dass Mütter und Kinder Zugang zu medizinischer Behandlung haben und Kinder in einem gewaltlosen Umfeld aufwachsen.
Geschichte
In der trügerischen Hoffnung, der Armut auf dem Lande zu entkommen, zog die Familie der 7-jährigen Maria in eine Baracke in Santo Domingo. Statt in die Schule zu gehen, mussten die Kinder zum Familieneinkommen beitragen. Nur die taubstumme Maria nicht. Nachbarn berichteten, dass Maria geschlagen wurde, damit sie das Haus nicht verliess. Denn die Familie schämte sich für das behinderte Kind.
Auf die unhaltbaren Lebensbedingungen von Maria aufmerksam geworden, besuchte unsere Sozialarbeiterin die Familie. Maria hatte Verletzungen am Körper und schrieb auf ein Blatt Papier, dass sie gerne zur Schule gehen würde. Daraufhin folgten Gespräche mit der ganzen Familie. Die Sozialarbeiterin fand für Maria eine Sonderschule, in der sie spezifisch gefördert werden konnte. Auch die ältere, psychisch kranke Schwester Mercedes traf ein hartes Schicksal. Sie hat bereits vier Kinder zur Welt gebracht, doch nur der mangelernährte dreijährige Gustavo lebte in der Baracke.
Mercedes, die ihre ersten drei Kinder weggegeben hatte, liess in ihrer Verzweiflung auch den Kleinsten bei ihren Eltern zurück und tauchte unter. Unsere Sozialarbeiterin konnte Mercedes ausfindig machen und davon überzeugen, zu ihren Eltern und ihrem Sohn zurückzukehren. Wir haben ihr geholfen, Arbeit zu finden, damit sie selbständig für den Unterhalt ihres Kindes aufkommen kann.

