Viele Kinder müssen arbeiten und werden auf den Strassen zu Opfern von Missbrauch und Ausbeutung. Zudem erhalten sie keinen Zugang zu staatlichen Gesundheits-Leistungen und haben keine beruflichen Aussichten.
Die Lösungsansätze von Terre des hommes
Alternativen zur Strasse – Terre des hommes (Tdh) und seine Partner helfen den Strassenkindern, wieder in die Gesellschaft integrieret zu werden. In Projekten mit soziopsychologischem Ansatz können die Kinder an artistischen Kursen teilnehmen. In Baixada z.B. besteht eine Partnerschaft mit einem Kinderzirkus. Wenn nötig wird auch schulische Unterstützung angeboten. Auf diese Art werden den Kindern nicht nur ihre Rechte bewusst gemacht, sondern sie können diese auch in der Gesellschaft geltend machen.
Zukunftsplanung für und mit Kindern – Durch die erwähnten Ausbildungen erhalten viele Strassenkinder wieder eine Zukunftsaussicht. Sie finden zu ihren individuellen Stärken und erhalten dadurch neues Selbstbewusstsein.
Fürsprache – Tdh betreibt auf rechtlicher und politischer Ebene Fürsprache für Strassenkinder, damit ihre Rechte anerkannt werden und sie Zugang zu staatlichen Schulen und Gesundheits-Leistungen erhalten.
Ergebnisse 2008
Zahlen sprechen für sich – In Zusammenarbeit mit mehr als 244 lokalen Vereinigungen unterstützte Tdh im Jahr 2008 nicht weniger als 37’120 Strassenkinder in den Städten Rio de Janeiro, Baixada, Fluminense, Fortaleza und São Luis.
Aus- und Weiterbildung – Die vielfältigen Ausbildungen, die Kindern und ihren Familien angeboten wurden, stärkten die innerfamiliären und gemeinschaftlichen Bande und beugten so vor, dass gefährdete Kinder auf der Strasse Zuflucht gesucht hätten.
Fortschritt durch Fürsprache – Die positiven Resultate der Arbeit von Tdh haben dazu beigetragen, dass die nationalen- wie auch regionalen Behörden, eigene Strategien zum Schutz der Strassenkinder implementiert haben. Des Weiteren wurden 3000 Regierungs- und NGO-Mitarbeiter im Bereich des Kinderschutzes weitergebildet.
Die Herausforderungen
Wohlstandsgefälle – Die Vereinten Nationen platzieren Brasilien auf dem 10. Platz des „Human Development Index“ 2007/2008, im Bezug auf das Wohlstandsgefälle. Die reichsten 10% der Bevölkerung besitzen 45% des Bruttoinlandprodukts, während die ärmsten 10% gerade einmal 1% besitzen. Gewalt in den Städten – Die Armenviertel in den grossen Städten werden von Gangs dominiert. Allein in Rio haben diese 6000 Kinder für ihr Drogen- und Waffengeschäft rekrutiert. Dabei handelt es sich meist um Strassenkinder. Geographische Ausdehnung – Brasilien erstreckt sich über eine riesige Fläche. Die Koordination der Anstrengungen, ein Kinderschutz-System einzuführen, ist schwierig. Obwohl die Gesetze auf nationaler Ebene erlassen werden, ist ihre Anwendung in den Regionen unterschiedlich.
GESCHICHTE - Teresa*, Ein Leben wie ein Alptraum
Die Geschichte der 25-jährigen Teresa gleicht der vieler Brasilianerinnen und Brasilianer: Eine drogenabhängige Mutter, mit 18 selber Mutter geworden, wenig Schulbildung und von ihrem ersten Ehemann misshandelt.
Mit 14, kurz nach dem Tod ihrer Mutter, begann Teresa auf die Strasse zu gehen. Von der Tante, die sie aufgenommen hatte, war sie misshandelt worden. Mit dem Verkauf von Süssigkeiten und Betteln konnte sie sich über Wasser halten. Auch nach der Geburt ihrer drei Kinder (heute 7, 5 und 2 Jahre alt) arbeitete sie weiter auf der Strasse. Sie nahm die zwei Jüngsten einfach mit. Die älteste Tochter liess sie bei einer Tante wohnen.
Vor einem Jahr kam sie erstmals mit Terre des hommes in Kontakt. Seither nimmt sie am „Novos Rumos“-Projekt, das von einem Tdh-Partner geführt wird, teil.
Zusammen mit Teresa haben die Verantwortlichen dort einen Plan für ihre Zukunft erarbeitet. Sie besucht nun eine Frisör-Ausbildung und erhielt Unterstützung bei der Anschaffung ihrer Arbeitsmaterialien.
Teresa hat ein Zimmer zu ihrem Salon umgewandelt. Ihre zwei Kinder sind nun tagsüber in einer Kinderkrippe und müssen nicht mehr auf die Strasse. Die älteste Tochter wohnt weiterhin bei ihrer Tante. Teresa hat noch fünf Monate Ausbildung vor sich. Heute verdient sie schon einen Teil ihres Lebensunterhalts selber und kann somit ihre Kinder ernähren. Sie ist nicht mehr auf die Strasse angewiesen.
*Name geändert

