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Berichterstattung von Alexandre Jollien aus Nepal

Der Schriftsteller Alexandre Jollien besuchte im Oktober vergangenen Jahres, im Rahmen einer Pressereise von Terre des hommes, Nepal. Der Aufenthalt hatte zum Ziel die Projekte von Terre des hommes im Land (Betreuung, Ernährung, Schutz für Vertriebene und der Kampf gegen den Kinderhandel) im Migros Magazine zu präsentieren.
Als Folge ihrer Reise werden Alexandre Jollien und Jean-Marc Richard Ende Januar 2009 eine Reihe von Vorträgen in der ganzen Schweiz geben. Für uns hat sich der Schriftsteller die Zeit genommen, zwischen den Vorträgen, seine Eindrücke von der Reise aufzuschreiben:

Auszug aus dem Bericht:

Donnerstagmorgen
16. Oktober 2008

Joseph klopft an mein Fenster. Ich sage ihm: „Noch eine Stunde, ich bin zu müde!“ Dreissig Minuten später kommt er zurück und ich bereite mich vor. Wir sind nun auf dem Weg in eine Ziegelei. Die Verantwortlichen von Terre des hommes sprechen mit den Unternehmern, die das Los der Arbeiter, die hier Ziegel herstellen, in den Händen haben. Jean-Marc stellt den Unternehmern Fragen zu Grundrechten, Trinkwasser, Toiletten und Schule. Jean-Marc versetzt mich in Verwunderung. Mit seinem einfachen Englisch geht er auf den Grund der Situationen, denen er begegnet, er lädt die Menschen dazu ein, sich auszusprechen und in Worte zu fassen, was sie beschäftigt, ihre grundlegenden Bedürfnisse zu formulieren. Er macht keine Konzessionen und legt eine stets aufmerksame Einsicht an den Tag, die bei mir Respekt hervorruft.

Tdh Nepal - Steve Gaspoz Migros Magazine - Oktober 2008

Wieder kann ich von Joseph etwas lernen. Ich würde in die Menge stürzen wollen, den Unternehmern Ultimaten stellen, mich entrüsten und fordern, dass auf der Stelle Toiletten für die 500 Pers-nen, die an diesem Kamin hart arbeiten, gebaut werden. Er wiederum verhandelt ruhig und souverän, führt den Dialog fort und gibt nicht auf.

An einem Kamin arbeiten 500 Menschen hart, um Ziegel herzustellen. Sie werden pro Stück bezahlt und arbeiten täglich mindestens 10 Stunden in sehr schwierigen Verhältnissen. Es gibt kein Trinkwasser. Um die tagsüber verrichtete Arbeit abzurunden, lassen einige Eltern ihre Kinder arbeiten. Kinder sind eine Arbeitskraft, ihre Arbeit stellt einen zusätzlichen Erwerb dar. Wenn man weiss, dass Ausbildung oft das Schicksal retten kann, kann man sich leicht vorstellen, was für eine Unsicherheit das Fehlen von schulischen Grundkenntnissen herbeiführt.
Die Arbeiter bekommen hier nur zwei Mahlzeiten pro Tag und das Team ist da, um sie zu unterstützen. Das Team ist an die Komplexität dieser Realität angepasst. Es geht nicht darum „alles über den Haufen zu werfen“, sondern schrittweise eine Freiheit, bessere Verhältnisse zu konstruieren.

Als wir die Ziegelei verlassen, verstehe ich zum ersten Mal die Schwierigkeit humanitärer Arbeiter, Idealvorstellungen und Realität abzustimmen. Auch jetzt denke ich an Josephs Beispiel - er ist ruhig und doch sehr gerührt von dem Schicksal der Arbeiter. Theoretisch arbeitet ein Kind nicht und es sollte nicht arbeiten. Wie kann aber erreicht werden, dass dieses unveräusserliche Recht nicht die ganze Familie benachteiligt? Angesichts dieser Schwierigkeit geht Terre des hommes angemessen vor. Ungleichheit wird nicht toleriert und die Mobilisierung wird aufrecht erhalten.
[...]

Am Abend bei der DEZA fühle ich mich mehr als nie zuvor Schweizer. Ich geniesse den Gedanken an eine offene und humanitäre Schweiz, die ihre Ressourcen teilt. In meinem Herzen danke ich Terre des hommes, die mir die Chance gegeben hat, in diesen Bau meinen Stein zu setzen. Dieser kleine Stein ist die Freude meines Tages.

Alexandre Jollien - Schriftsteller - Freiwilliger Tdh

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Berichterstattung von Manuella Maury aus Bangladesh

Die Journalistin Manuella Maury, Produzentin und Moderatorin auf TSR hat sich letzten Januar mit der vom Hauptsitz von Terre des hommes organisierten Unternehmung „Presse“ nach Bangladesh begeben. Die Reise hatte zum Ziel, die Projekte von Tdh in Bangladesh (Gesundheit von Mutter und Kind, Ernährung, soziale und berufliche Integration und Strassenkinder) in der Schweizer Wochenzeitung L’Illustré in den Blickpunkt zu rücken. Manuella Maury, die auch als Tdh-Freiwillige bei Schweizer Aktivitäten (Orangenverkauf, 16. Oktber, 20. November) mitwirkt, gibt uns hier einige Eindrücke, die sie von ihrem Aufenthalt mitgenommen hat:

Auszug aus dem Bericht:

Gästehaus Kurigram
12. Januar 2008

Beim Erwachen immer noch Nebel. Es ist Freitag. Feiertag auf muslimischem Boden. Der Muezzin hat sehr früh gesungen. Sanft. Sehr schön.

Kartoffelragout und Eierkuchen mit frischer Mango. In diesem Haus von Terre des hommes, das von einer lokalen NGO geführt wird, gibt uns das Frühstück fast das Gefühl, auf Urlaub zu sein. Jedes Misstrauen gegen das Essen ist verflogen. Bis jetzt höchste Wachsamkeit, unterstützt durch die erfahrene Nathalie: „Wenn du hier krank wirst, geht kein Weg an deiner Rückkehr vorbei.“ Wohl gibt es einige sehr teure Privatkliniken, doch insgesamt ist das Gesundheitssystem eine Katastrophe. Paradoxe Situation: Während wir uns über Magenbeschwerden und die dann unausweichliche Rückkehr unterhalten, erwarten Frauen und Kinder unseren Besuch im Ernährungszentrum, das auch eine Poliklinik ist.

Tdh - Bangladecsh Manuella Maury - Didier Martenet - L'illustre - 2008

Der Besuch ist ein Schock. In Hunderten Sahris in explodierenden Farben, aus fröhlichen Materialien, Mütter - einige noch Kinder, andere scheinen hundert Jahre alt zu sein – sie alle verlangen, ihr Kind über der Schulter, nach der Möglichkeit einer Behandlung. Dem lokalen Personal wächst ihr Begehren über den Kopf. Jeden Tag, an sechs Tagen in der Woche strömen Hunderte Frauen in das Zentrum in der Hoffnung, aufgenommen zu werden. Die Kinder werden in einer alten Aluminiumwanne gewogen. Die kranken und unterernährten werden vielleicht „Glück“ haben und in der Poliklinik bleiben können, damit sie nicht sterben. Aber alle würden eine spezielle Behandlung brauchen. In diesem Wettlauf um das Leben bestimmt die Zahl, welche die Waage anzeigt, die Auswahl. Nur etwa fünfzehn von ihnen erhalten eine provisorische Unterkunft und eine geeignete medizinische Behandlung. Die anderen müssen auf die Ausgabe von Medikamenten warten. Durch die Gitterstäbe schieben sich Dutzende Hände, strecken die Behandlungskarte vor, mit der sie sich ausweisen und die ihnen das Recht auf eine Untersuchung gibt. Manche Kinder weinen. Andere haben nicht einmal dazu die Kraft.

Auf dem Rückweg vom Zentrum sehe ich in der Stadt Männer auf Karren, alle Arten von Händlern, Carambolespiel-Partien vor den Verkaufsständen. Mein Urteil ist vielleicht kurzsichtig, aber unwillkürlich erfasst mich Zorn beim Gedanken an all diese Frauen, die sich zu Fuss auf den Weg machen, manche werden mehr als vier Stunden brauchen, um ihr Dorf zu erreichen. Teilweise leben sie alleine. In dieser Gesellschaft in Bangladesh, wo man eine Familie braucht, um Hoffnung auf eine soziale Existenz zu haben, wecken benachteiligte Frauen und Kinder nicht das geringste Mitgefühl. Es sind so viele zu retten. Ich fühle mich wie ausgezehrt. Ich kehre weinend ins Gästehaus zurück. Ich betrachte die Delegierten, die Krankenschwestern, die Lehrer, die Erzieher. Ihre Hoffnung, ihr Kampf, woher werden sie nur die Kraft dafür nehmen?

Manuella Maury - Journalistin - Tdh-Freiwillige - 2008

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