In Ägypten bekämpft Terre des hommes (Tdh) in rund 50 Dörfern im Nil-Delta und in Oberägypten die ausgesprochen hohe Kindersterblichkeit und strebt eine nachhaltige Verbesserung der Gesundheit von Mutter und Kind an.
Siedlungshygiene / Wasser - Damit Ernährungs- und Gesundheitsprojekte nachhaltige Wirkung haben, braucht es Voraussetzungen wie zum Beispiel sauberes Trinkwasser und eine geregelte Abwasserentsorgung. So unterstützt Tdh lokale Partner bei der Errichtung sanitärer Anlagen.
Ernährung - Mutter und Kind - In unseren Projekten in den Bezirken Ismalia, Assiut, Sohag und Qena ermuntern wir Mütter und werdende Mütter, ihre Babys möglichst lange zu stillen und informieren sie über eine erschwingliche, ausge- wogene Ernährung. Seit 2003 erarbeitet Tdh in Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Gesundheitsministerium auch nationale Gesundheitskampagnen. Im Bezirk Sohag unterstützen wir zudem behinderte Kinder und ihre Familien medizinisch und sozial, und möchten diese Kinder in die Gemeinschaft integrieren. In den Dörfern haben sich Frauengruppen gebildet, die sich über gesundheitliche Fragen austauschen und zusammen Projekte erarbeiten, die ihnen ein kleines Einkommen ermöglichen. Ist das Projekt erfolgversprechend, so können die Frauengruppen als Starthilfe Mikrokredite beantragen.
Seit 2004 verpflichtet sich Tdh in Ägypten der Child Protection Policy (Kinderschutz-Politik). Das Ziel dieses Projekts ist es, Kindern ein sicheres Umfeld zu ermöglichen und das Risiko von Missbrauch an Kindern zu verringern. Die Grundsätze der Kinderschutz-Politik sollen in allen Partnerorganisationen verankert werden, die mit Kindern arbeiten, um so die Rechte der Kinder in Ägypten nachhaltig zu verankern.
Rückblick
1983 startete Tdh in Oberägypten ein Gesundheitsprogramm für Kinder, die an spinaler Kinderlähmung erkrankt waren. Da der Poliovirus in Ägypten fast vollständig ausgerottet werden konnte, wandte sich Tdh der Gesundheit von Mutter und Kind zu. Seit 2000 setzen wir uns in Assiut und Tel El Kebir für die Gesundheit und eine ausgewogene Ernährung von Mutter und Kind ein.
2002 wurde in Tel El Kebir ein neues Gesundheitsprojekt gestartet, was jährlich 25'000 Menschen zugute kommt. Im Bezirk Sohag unterstützt Tdh seit 2004 rund 100'000 Menschen in Form von Kanalisationsbau, Abfallentsorgung, Kleinkrediten und medizinischem Beistand für Mutter und Kind.
Gemeinsam mit dem Sozialministerium Ägyptens engagiert sich Tdh seit 2004 in den Bezirken Assiut, Sohag und Qena für behinderte Kinder und ihre Familien, wobei wir uns der Child Protection Policy (Kinderschutz-Politik) verpflichtet fühlen. Mit Unicef hat Tdh kürzlich ein Projekt gestartet, das die Mitsprache der Gemeinden am Reformprozess des Gesundheitsministeriums fördert.
Ausblick
In Ägypten erreichen wir mit einem begrenzten Budget eine Rekordzahl von Begünstigten. Die relativ stabile Situation im Land erlaubt uns eine Weiterentwicklung unserer Projekte, wobei wir weiterhin eng mit Partnerorganisationen und lokalen Behörden zusammenarbeiten. Auch in den neu gestarteten Projekten verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der neben der gesundheitlichen und ernährungsspezifischen Hilfe eine Verbesserung der Hygiene und der wirtschaftlichen Situation anstrebt.
Geschichte
Ich heisse Ahmed, bin 14 Jahre alt und habe fünf kleine Geschwister. Wir leben in einem kleinen Haus im Dorf Nagaa Aly Farag in Oberägypten. Mein Vater arbeitet als Kurier im lokalen Gesundheitszentrum und verdient nur 65 Schweizer Franken pro Monat.
Als ich vier Monate alt war, bekam ich plötzlich hohes Fieber – niemand erkannte, dass es der Anfang einer Kinderlähmung war. Eines Tages kam eine Mitarbeiterin vom Gesundheitszentrum in unser Dorf. Da ich nicht gehen konnte, brachte sie mich in das Gesundheitszentrum, wo ich Medikamente erhielt. Ich bekam einen Rollstuhl, womit ich mich seither fortbewege.
Zu gerne wäre ich in die Schule gegangen wie die anderen Kinder, aber meine Eltern konnten das nötige Schulgeld nicht bezahlen. Tdh gab uns deshalb das Geld für eine Schuluniform, Hefte und weiteres Schulmaterial, und ich konnte in die zweite Klasse einsteigen. Es gefällt mir sehr. Am liebsten lese ich, weil ich damit viel über die Welt erfahre. Wenn ich gross bin, möchte ich Lehrer werden.
Dank Tdh haben wir nun einen Trinkwasseranschluss. Wenn eines der Kinder krank ist, geht meine Mutter ins Gesundheitszentrum, wo man ihr auch von einer Frauengruppe in unserem Dorf erzählt hat. Meine Mutter erhält von diesen Frauen wertvolle Informationen über die Hygiene während der Schwangerschaft - ganz zum Wohl des Kindes, das bald zu unserer Familie stösst!

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