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10 Jan 2012 Humanitäre Krisen Haiti

Haiti: Zwei Jahre nach dem Erdbeben - Terre des hommes bleibt an der Seite der Ärmsten

- Herausgegeben von Darcissac, Marion

2968_aiti_colbert_nfis_0311_web_embed Zwei Jahre nach dem tödlichen Erdbeben vom Januar 2010 und der schrecklichen Cholera-Krise, von der die Insel wenige Monate später heimgesucht wurde, setzt Terre des hommes (Tdh) das Engagement für die bedürftigsten Menschen in Haiti fort. Nach über zwanzig Jahren im Land unterstützt die grösste Schweizer Kinderhilfsorganisation weiterhin mehr als 15’000 Kinder in Not, die von ihrer Familie getrennt wurden, Risiken wie Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt sind, an Mangelernährung leiden oder keinen Zugang zu Trinkwasser haben.

Behandeln und vorbeugen

Während viele Organisationen ihre Einsätze in Haiti zum Jahresbeginn 2012 beenden, engagiert sich Terre des hommes weiterhin für die Entwicklung des Landes, indem sie die haitianischen Behörden und lokale Vereinigungen unterstützt. In den letzten zwei Jahren leistete Tdh mit der grössten humanitären Aktion in der Geschichte des Kinderhilfswerks Hilfe für die Opfer des Erdbebens, das im Januar 2010 einen Teil des Landes zerstört und fast 250’000 Todesopfer gefordert hatte. In einem zweiten Schritt wurden auch von der Cholera-Epidemie Betroffene unterstützt, die das Land einige Monate später heimsuchte und bis heute fast eine halbe Million Menschen infiziert hat.

In Zusammenarbeit mit anderen schweizerischen und internationalen Organisationen, aber auch mit Unterstützung der Gesundheitsbehörden und des Zivilschutzes Haitis beteiligte sich Tdh am Aufbau von Behandlungszentren für Cholerakranke. Die Organisation gab Seife, Eimer und Chlortabletten an fast 35’000 Personen ab, damit sich diese besser vor den Ansteckungsrisiken schützen können.

Mobile Tdh-Teams begaben sich in abgelegene Dörfer, um die Bevölkerung über die verschiedenen Formen der Krankheitsübertragung aufzuklären, Wasserstellen zu chloren und nach der Erkennung von Cholerafällen verseuchte Orte zu desinfizieren, damit die Ansteckungsgefahr für andere Familienmitglieder so klein wie möglich gehalten werden konnte. Auf Siedlungshygiene spezialisierte Teams rehabilitierten Wasserpumpen und bauten Latrinen, um die Ausbreitung der Bakterie zu verlangsamen.

Heute informiert Tdh die Bevölkerung weiterhin und schützt sie gegen die Epidemie, die Experten zufolge nun endemisch aufzutreten scheint. Tdh setzt ausserdem das Engagement in mehr als vierzig Einrichtungen für Kinder (Krippen, Waisenhäuser, Internate) fort, um die Entstehung neuer Epidemieherde zu verhindern.

2971__nutrition-survey_0186_web_embed Die Schweizer Organisation arbeitet seit über zwanzig Jahren in den Bereichen Gesundheit und Schutz für Kinder und Familien in Haiti, einem der ärmsten Länder der Welt. Seit dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 wurde der Ernährungszustand von rund 10’000 Mädchen und Jungen kontrolliert, 2600 von ihnen bekamen eine Behandlung. Je nach Grad der Mangelernährung benötigen die Kinder Beratung, Ergänzungsnahrung oder werden hospitalisiert. In der Nähe des Epizentrums behandelt eine Ernährungsstation jeden Monat Dutzende von Kindern, die an schwerer Mangelernährung und damit verbundenen Komplikationen leiden. Im Departement Süden werden in einer ähnlichen von Tdh geführten Station kranke Kinder gepflegt, zusätzlich zur Unterstützung von sechs lokalen Gesundheitsposten. Gleichzeitig setzen die Tdh-Teams in Zusammenarbeit mit dem Personal des Gesundheitsministeriums die Aufklärung der Bevölkerung über die besten Gesundheitspraktiken fort: Sie zeigen Familienmüttern, wie sie ihre Babys und Kinder ausgewogen ernähren können und erklären ihnen, wie man Durchfall und andere Kinderkrankheiten vorbeugt.

Das Wohlergehen von Kindern schützen und sicherstellen

Für Tausende haitianische Kinder, die sich selbst überlassen, auf der Strasse oder in Institutionen leben, missbraucht, ausgebeutet oder zum Arbeiten gezwungen werden und keine Bildung erhalten, waren die Lebensbedingungen in diesem Land schon immer dramatisch. Infolge des Erdbebens sind die Schwierigkeiten zusätzlich gewachsen und betreffen jetzt noch mehr Kinder. Nach dem Erdbeben lebten sie zu Tausenden von ihren Eltern getrennt in Not- oder Flüchtlingslagern oder bei Angehörigen und litten unter Gewalt, prekären Wohnverhältnissen, mangelnder Hygiene, fehlendem Zugang zu Gesundheitsdiensten usw.

Andere leben in privaten Kinderheimen, wo noch mehr als ein Drittel auf eine Familienzusammenführung wartet. Genau dafür setzt sich Tdh in direkter Zusammenarbeit mit dem haitianischen Sozialministerium ein und ist darauf bedacht, dass die Kinder in der Zwischenzeit gut behandelt werden: «Viele leiden unter mangelnder Zuneigung und sind für verschiedene Formen von Missbrauch gefährdet; andere verschwinden auf dem internationalen Adoptionsmarkt oder im Kinderhandel», beklagt David Dandrès, Tdh-Verantwortlicher für die Programme in Haiti. «Wir bemühen uns, den Kontakt zwischen diesen Kindern oder Jugendlichen und ihren Angehörigen wiederherzustellen. Über 380 Kinder konnten so zu Verwandten zurückkehren, 80 weitere werden vielleicht schon bald wieder bei ihren Familien leben.»

So auch Rose, die in diesem Video von ihrem Leid erzählt. Ihr Vater konnte nicht mehr für sie aufkommen, weil er im Erdbeben alles verloren hatte und sah sich gezwungen, Rose in einer anderen Familie unterzubringen (Auszug des Filmes Comment protéger les enfants?).

Tdh verstärkt ausserdem kollektive und gemeinschaftliche Kinderschutzmechanismen, um das durch das Erdbeben und den chronischen Mangel an Mitteln noch geschwächte haitianische Dispositiv zu unterstützen. In Zusammenarbeit mit Ausbildungsstätten, Gemeinschaften, Sport- und Freizeitclubs bietet Tdh technische und materielle Hilfe für das Personal und Animateure. Damit Jugendliche besser geschützt sind, werden zum Beispiel Fälle von Gewalt und Missbrauch bekannt gemacht und Massnahmen ergriffen.

Tdh hilft lokalen Vereinigungen sich zu organisieren und zu agieren, mit dem Ziel, die Zivilgesellschaft Haitis zu stärken. 1800 Kinder nehmen jede Woche an Animationen und psychosozialen Aktivitäten teil, die ihr Selbstwertgefühl und ihr Vertrauen in andere stärken. Parallel dazu werden Mütter über die Wichtigkeit des ausschliesslichen Stillens und der Krankheitsvorbeugung informiert; unverheiratete Mütter erhalten Beratung und die für die Betreuung ihrer Kinder notwendige Unterstützung. Mit dem Aufbau von Einkommen generierenden Aktivitäten bietet Tdh zudem Direkthilfe für besonders bedürftige Familien, damit diese hoffnungsvoller in die Zukunft blicken können. «Aufgrund des Ausmasses der Bedürfnisse wird Terre des hommes die Haitianer noch nicht so bald im Stich lassen», meint David Dandrès abschliessend.

Weitere Informationen zu den Aktionen von Terre des hommes in Haiti